Montag, 1. Juni 2020

Ein Herbarium erstellen

Wenn ihr eure Umgebung erkundet habt, so seid ihr bestimmt schon über das ein oder andere Kraut gestolpert, habt euch vielleicht informiert, um was es sich handelt oder habt sogar schon an einer Kräuterwanderung teilgenommen. Um das dort Erlernte möglichst gut behalten zu können, ist es sehr hilfreich ein Herbarium zu erstellen. So habt ihr alles auf einen Blick, was ihr wissen müsst.
Das Wort Herbarium leitet sich von herba (=Kraut) ab und ist der Begriff für eine Sammlung von getrockneten Pflanzen und Kräutern, im Idealfall mit Monographien. Es ist nicht nur effektiv, sondern macht auch Spaß es zu gestalten.
Es gibt verschiedene Arten von Herbarien. Manche gibt es bereits als gebundenes Buch zu kaufen. Der Nachteil ist, dass es vorgeschriebene Pflanzen sind und die muss man erstmal in der eigenen Umgebung finden. Zudem sind es wohl oft nicht die Kräuter, die man gerne selbst näher kennenlernen möchte.
Ich selbst finde es schöner und vor allem persönlicher, wenn man sich sein eigenes Herbarium erstellt. Dazu braucht es gar nicht viel, ein einfacher Aktenordner reicht vollkommen aus. Hier ist der Vorteil zu einem selbst gestalteten Buch, dass man die Kräuter nach dem Alphabet sortieren kann. Denn ein Herbarium gestaltet sich nicht nur in einer Saison, sondern kann über viele Jahre immer wieder erweitert werden.



Doch bevor ihr damit anfangt, müsst ihr die Kräuter pressen, damit sie Farbe und Form behalten und sie so einen bestmöglichen Wiedererkennungswert haben. Dazu nutze ich eine eigens gebaute Pflanzenpresse. Sie besteht aus zwei quadratischen Holzbrettern. An den Ecken habe ich Löcher gebohrt, in denen ich recht lange Flügelschrauben gesteckt habe.
Dazwischen habe ich Pappzuschnitte gelegt. Wer mag, kann sie natürlich noch schön anmalen. Meine Presse hat schon einige Jahre auf dem Buckel, aber solange sie noch standhält, wird sie genutzt.


Und dann kann es losgehen, wenn es denn der richtige Zeitpunkt zur Entnahme des Krauts ist. Das wäre dann einmal zur Zeit der Blüte, aber auch im Herbst, wenn man den Fruchtstand verewigen möchte.
Ihr entnehmt der Pflanze einen blühenden Stängel möglichst mit gut erkennbaren Blättern, legt diesen auf ein Stück Zeitungspapier, schreibt dazu, um was für eine Pflanze es sich handelt, wann und wo ihr sie gepflückt habt und legt ein Stück Zeitungspapier darüber. Dies kommt nun zwischen zwei Pappstücken der Presse. So verfahrt ihr mit anderen Kräutern, bis der Platz in der Presse aufgebraucht ist. Die Presse nun fest zuschrauben, so dass ein höherer Druck entsteht und die Kräuter für ca 3-4 Wochen an einem dunkleren, aber warmen Ort trocknen lassen.
Wer keine Presse hat, kann auch ein schweres Buch nehmen und die Kräuter zwischen die Seiten legen. Auch hier Zeitungspapier nehmen, sonst gibt es unschöne Flecken. Zum Schluss das Buch nochmals beschweren.
Nach der Trocknungszeit ist es endlich soweit, euer Herbarium kann gefüllt werden. Hier gibt es auch wieder unterschiedliche Arten dies zu gestalten. Ihr könnt die Kräuter mit Klebestreifen auf ein Blatt fixieren und z.B. geschützt in Prospekthüllen lagern, ihr könnte Fotobücher mit selbstklebenden Seiten nutzen oder ihr macht es wie ich, ihr laminiert die Kräuter einfach ein. Dazu legt ihr den Stängel erstmal so auf das Blatt, wie ihr es gerne haben möchtet. Dann geht es an die Beschriftung. Oben kommt der allgemein bekannte Name hin, darunter habe ich den botanischen Namen geschrieben, danach die Familie, wo und wann gesammelt wurde, die Wirkungen, Inhaltsstoffe, Anwendungen, was von dem Kraut genommen wird, sowie noch weitere Notizen. Aber auch da habt ihr freie Hand, je nachdem was für euch wichtig ist.
Solltet ihr kein Buch zur Hand haben kann ich euch das Kräuterlexikon von Eva Marbach sehr empfehlen.
Danach wird einlaminiert, gelocht und eingeheftet.

Hier habe ich euch mal ein paar Beispiele aus meinem Herbarium abfotografiert:

Das Praktische eines Aktenordners kommt hier nochmal zur Geltung. Findet man noch andere wichtige Seiten oder Informationen über das Kraut, kann man diese einfach dazu heften. 


Ich habe mir zu fast jedem Kraut Seiten aus dem kräuter-verzeichnis ausgedruckt. Die Seite kann ich sehr empfehlen, da sie viel Wissenswertes über (Heil-)Kräuter bereithält.














Falls ihr Fragen habt, immer her damit.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Befüllen eures eigenen Herbariums!

Kerstin

Sonntag, 26. April 2020

Beltane (5. Vollmond nach Jul) / Walpurgis vom 30.04. auf den 01.05.




Ausnahmsweise gehen wir heuer nicht nach den Mondphasen, sondern  halten uns an den gregorianischen Kalender, den es natürlich zur Hochzeit der Kelten noch nicht gab, schließlich entstand er erst im 16. Jhdt. Der nächste bzw. 5. Vollmond nach Jul wäre in diesem Jahr der 7.5. 

Die Energien von Beltane sind allerdings schon jetzt stark zu spüren und da der 30. April auch unser Hochzeitstag ist und die Walpurgisnacht auf den gleichen Tag fällt, gesellt sich Beltane einfach dazu. 
Der Name stammt vom keltischen "belo-tenîa" ab und bedeutet "helles Feuer". Wenn nicht jetzt, wann könnte man also dann das Fruchtbarkeitsfest schlechthin feiern? Der Frühling hat bereits die Macht übernommen und so den Winter abgelöst. Es wird wärmer, überall grünt und blüht es und auch wir sind nun schon viel öfter draußen, genießen Garten und Sonne. 





Damals wurden die Schafe und andere Herdentiere auf die Weiden getrieben und damit sie beschützt sind und die Fruchtbarkeit gesteigert wird, wurden einige Rituale abgehalten, wo auch diesmal das Feuer nicht fehlen durfte. Feuer steht für Sonne, Wärme, Wachstum und Licht und es vertreibt die bösen Geister. Auch die Hauseingänge wurden wieder geschmückt mit den ersten blühenden Zweigen wie z.B. Haselnuss, Ginster, Weißdorn...
Kränze als (Kopf-)Schmuck aus dem lila blühenden Gundermann gehörten genauso dazu. Wenn man einen Gundermannkranz trägt, so erkennt man böse Hexen, heißt es.


Glechoma hederacea/Gundermann/Gundelrebe/Eiterkraut
Glechoma hederacea, so der botanische Name, blüht zu dieser Zeit ganz wunderbar. Er wird auch Gundelrebe oder Eiterkraut genannt, denn er hilft bei der Heilung eiternder Wunden, aber auch bei chronischem Husten und Schnupfen, sowie Blasen- und Nierenschwäche. Er wirkt entzündungshemmend, wundheilend und stoffwechselfördernd.
Das ganze Kraut ist essbar, aber Vorsicht, es schmeckt sehr würzig. Im Salat, in Kräuterquark und -butter reichen ein paar Blätter aus, mit den Blüten kann man alles schön verzieren und dekorieren, auch sie sind essbar. Die Blätter kann man als süße Leckerei in geschmolzene Schokolade tunken und auf Backpapier erkalten lassen. Oder ihr legt die Blätter kurz in heißes Fett, so erhält man tolle Kräuterchips. Probiert es aus. Geeignet dazu sind ebenso Salbei- und Brennnesselblätter.


Aber nun zurück zum Maifest:
Auch heute noch wird der Maibaum aufgestellt, es wird getanzt, getrunken, gegessen, eben ausgiebig gefeiert. Die Maitänze um den Baum zeugen von Lebenslust und purer Lebensfreude. Alles gewinnt an Stärke und Kraft. Die Wenigsten wissen, dass es sich hierbei um ein altes Fruchtbarkeitsritual handelt. Der Maibaum steht für das männliche Geschlecht, welches in den Schoß der Mutter gepflanzt wird. Unter ihm wird die Maikönigin gewählt und Junggesellen hoffen darauf, ihre Liebe zu finden.

Nun ist das Tor zur Anderswelt wieder nah und nur von einem sehr dünnen Schleier umgeben. Auch wenn wir jetzt das Licht feiern, so denken wir an diesem Abend sehr intensiv an unsere Urahnen, die Verbindung zu ihnen, die uns hoffen lässt. Das Gefühl der Vereinigung macht sich breit und zwar auf allen Ebenen. Gerade die geistige Verbundenheit zu unserem Inneren, die oft im Alltag keinen Platz findet, wird nun umso deutlicher.



Als das Christentum dann aufkam, sollte das keltische Fest, wie so viele, verbannt werden und so wurde in diesem Zeitraum, nämlich am 1. Mai, der Gedenktag der  hl. Walburga, einer englischen Äbtissin, die im 8. Jhdt lebte, festgelegt und Beltane abgelöst. Zumindest war das die Absicht der Kirche, aber das keltische Fest verschwand nie wirklich. Später dann wurde der Walburgistag auf ihren Todestag, den 25. Februar, verlegt.
Traditionell ist am 30. April die Walpurgisnacht (erstmals erwähnt durch Goethe), die Nacht der Hexen, die in den Tagen davor ihre Flugsalbe gerührt haben und nun zum Brocken fliegen, um dort ihren Hexentanz zu vollziehen.


 

Auch wir werden, wie immer, ein Feuer anzünden und einige Rituale vollziehen. Dazu werden noch getrocknete Kräuter vom letzten Jahr dem Feuer übergeben und natürlich auch geräuchert. Hier ein Beispiel für passende Kräuter zu Beltane:




Natürlich kann man da nach der eigenen Intuition gehen und Kräuter, Harze und andere Räucherstoffe verwenden, die für einen selbst stimmig sind.


Euch allen wünsche ich ein tolles Beltane, eine schöne Walpurgisnacht und einen sonnigen 1. Mai.


Kerstin